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Segeln im Wattenmeer

Ems: Ringen geht weiter

Der Menkemadam - eine Lösung für die Ems?Das Ringen um die Zukunft der Ems geht weiter. Wie das Bundesverkehrsministerium bekannt gab, hat dieser Kampf den Steuerzahler mittlerweile allein an Baggerkosten fast eine halbe Milliarde Euro gekostet. Und ein Ende ist nicht in Sicht. 

Und diese Zahlen beziehen sich alleine auf Unterhaltungsbaggerungen der Unter- und Außenems. Bauwerke wie z.B. das Emssperrwerk sind in dieser Rechnung noch nicht einmal enthalten.

Das Grundproblem ist, dass die immer schneller werdende Flut Sedimente flussaufwärts trägt, welche der immer schwächer werdende Ebbstrom nicht mehr abtransportieren kann (wir berichteten mehrfach). Die Sedimente lagern sich ab und ohne Baggerungen wäre die Unterems zwischen Herbrum bei Papenburg und der Mündung in den Dollart in absehbarerer Zeit nicht mehr befahrbar. Die Häfen in Papenburg, Leer oder Ditzum im Rheiderland stünden vor dem Aus und auch der Hafen Emden wäre in Gefahr.

Ziel der Maßnahmen soll es daher sein, den Schlickeintrag bei Flut zu reduzieren. Bislang wurde hierzu hauptsächlich gebaggert. Laut Bundesverkehrsministeriums wurden in den vergangenen 20 Jahren über 165 Millionen Kubikmeter Schlick aus der Ems geholt.

Weitere drei bis vier Millionen Euro kostet die Entsorgung des Baggerguts auf den Spülfeldern – pro Jahr!  Und weitere Baggerungen zur „Erhaltung der verkehrlichen Infrastruktur an der Ems“ kosten laut Ministerium allein in 2012 weitere 16 Millionen Euro für die Außenems plus 17 Millionen Euro für die Unterems.

Mittlerweile wurde eine s.g. Lenkungsgruppe eingerichtet (wir berichteten). Sie besteht aus Vertretern des Landwirtschafts-, Umwelt- und Wirtschaftsministeriums, der Landkreise Leer und Emsland, der Umweltverbände NABU, WWF und BUND, des Wasser- und Schifffahrtsamtes sowie der Meyer Werft. Wassersportverbände sind hier leider nicht vertreten. Diese Gruppe hat jetzt ein sogenanntes hydromorphologisches Gutachten in Auftrag gegeben. Fachleute sollen ermitteln, welche der mittlerweile zahlreichen Lösungsideen die beste für die Ems ist. Mehrere Ansätze sind hierbei im Gespräch:

Sohlschwelle

Nach diesem Entwurf soll in der Nähe des Ems-Sperrwerkes unterhalb der Wasseroberfläche eine Art Schlick-Bremse gebaut werden. An ihr soll sich der Schlick sammeln und bei Ebbe wieder zurück in den Dollart gespült werden. Diese Schwelle müsste zum einen beweglich sein und zum anderen mit Schleusen ausgestattet werden. Geschätzt Kosten: ca. 150 Millionen Euro.

Ems-Sperrwerk als Schlickbremse

Das vor zehn Jahren fertig gestellte Sperrwerk würde bei dieser Idee zur Schlickbremse umgebaut. Ein erster Versuch in dieser Richtung scheiterte (wir berichteten) und die Beseitigung der entstandenen Schäden kostete mehr als vier Millionen Euro. Trotzdem soll in dieser Richtung weiter experimentiert werden.

Abriss der Schleuse und des Wehres Herbrum

Nach dieser Idee soll das Wehr bei Herbrum außer Kraft gesetzt werden. Die Flut soll dann ungehindert einige Kilometer weiter bis zur Schleuse Bollingerfähr bei Heede laufen. Als Effekt der Rückverlegung soll so ein höherer Wasserstand bei Niedrigwasser entstehen und der Schlickeintrag in die Ems bei Hochwasser soll danach geringer ausfallen.

Tidespeicherbecken

Hier sind zwei Varianten im Gespräch: ein großer Tidepolder an der Emsmündung oder mehrere kleinere Tidespeicher bei Papenburg. Hierfür wären nach Expertenschätzungen Flächen von 300 bis 400 Hektar Fläche notwendig. Die Fluträume sollen nach den Planungen die Pegel bei Niedrigwasser anheben und so soll bei Hochwasser weniger Schlick in die Ems gelangen.

Dammbau

Ebenfalls im Gespräch war die Lösung, die Ems vollständig tideunabhängig zu machen. Hierbei sollte ein Abschlussdeich mit Schleuse den Fluss vom Tidenrevier abkoppeln und damit den Schlickeintrag verhindern. Diese Idee wird von den meisten Beteiligten mit geschätzten Kosten von ca. drei Milliarden Euro als zu teuer erachtet.

Der Niederländer Aaldrik Menkema hat zu diesem Projekt andere Zahlen vorgelegt. Er rechnet mit Baukosten von 2,5 Milliarden Euro und rechnet Einsparungen im Küstenschutz von 2,3 Milliarden Euro gegen. Demnach würde der Damm lediglich 0,2 Milliarden Euro kosten. Auf seiner Projektseite zum Dammbau (siehe: Menekadam) legt er Pläne und Zahlen offen.

So geht es nun weiter

Die Lenkungsgruppe will ein vergleichendes, hydromorphologisches Gutachten in Auftrag geben. Alle Ansätze sollen auf Machbarkeit und Erfolgsaussichten hin überprüft werden. Laut Lenkungsgruppe kommen für diese Arbeit nur sechs bis sieben Architekturbüros europaweit in Frage. Im Mai soll die Auftragsvergabe zur Gutachtenserstellung erfolgen. Frühestens in anderthalb Jahren rechnet man mit einem Ergebnis.

In einem Punkt sind sich allerdings schon jetzt alle einig: Eine billige Lösung wird es nicht geben.

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